Die 3 größten Mythen über den Gehaltsvorschuss

Ungeplante Ausgaben können jederzeit auftreten. Wenn das Auto oder die Waschmaschine streiken, muss schnell Geld her. Im besten Fall hat man für solche Fälle finanzielle Rücklagen gebildet. Weil das aber nicht immer möglich ist, sollte man über Alternativen nachdenken. Ein typischer Ratenkredit ist in solchen Fällen nicht erforderlich und wenig sinnvoll. Zu groß ist der bürokratische Aufwand und zu lang die Mindestlaufzeit.

Welche Möglichkeiten gibt es also zur Überbrückung kurzfristiger Verbindlichkeiten? Eine Möglichkeit bietet der sogenannte Gehaltsvorschuss durch den Arbeitgeber. Wie der Name schon sagt, bekommt der Arbeitnehmer hier einen Teil seines Lohns vorab ausgezahlt. Aber ist das wirklich so einfach? Hier sind die drei größten Mythen zum Gehaltsvorschuss.

Mythos 1: Der Arbeitsnehmer hat Anspruch auf einen Gehaltsvorschuss

Die Fälligkeit der Arbeitsvergütung ist gesetzlich in § 614 BGB geregelt. Dort heißt es:
“Die Vergütung ist nach der Leistung der Dienste zu entrichten. Ist die Vergütung nach Zeitabschnitten bemessen, so ist sie nach dem Ablauf der einzelnen Zeitabschnitte zu entrichten.”

Das bedeutet, dass der Arbeitnehmer in Vorleistung gehen muss. Erst die Arbeit, dann die Kohle. Gab es früher noch die wöchentlichen Lohntüten, so ist heute in aller Regel ein monatlicher Lohn vereinbart. Demnach hat der Arbeitnehmer nur einen Anspruch auf Auszahlung des Gehaltes am Ende des Monats.

Diese gesetzliche Regelung kann jedoch durch Tarifverträge, in Betriebsvereinbarungen oder im individuellen Arbeitsvertrag geändert werden. Durchgesetzt hat sich in den meisten Fällen eine Auszahlung zwei bis drei Arbeitstage vor Monatsende.

Fazit: Falsch! Einen gesetzlichen Anspruch auf einen Gehaltsvorschuss gibt es nicht.

Mythos 2: Die Fürsorgepflicht des Arbeitgebers gegenüber dem Arbeitnehmer rechtfertigt häufig einen Anspruch auf Gehaltsvorauszahlung

In vielen Internetforen wird die Fürsorgepflicht des Arbeitgebers gegen über dem Arbeitnehmer als Begründung für einen Gehaltsvorschuss angeführt. Allerdings dürfte diese in den wenigsten Fällen greifen. Mit einer kaputten Waschmaschine hat der Arbeitgeber nichts zu tun. Und auch ein kaputtes Auto würde wohl kein deutsches Gericht als Grund für eine Gehaltsvorauszahlungspflicht durch den Arbeitgeber werten. Lediglich eine extreme wirtschaftliche Notlage, die nicht anders als durch eine Vorauszahlung behebbar wäre, würde eine Gehaltsvorauszahlung rechtfertigen.

In der Praxis ist eine solche Überlegung allerdings hinfällig. Weigert sich der Arbeitgeber eine Gehaltsvorauszahlung zu leisten, so müsste der Arbeitnehmer den Weg einer gerichtlichen Klage gehen. Und die Dauer eines solchen Verfahrens führt den kurzfristigen, finanziellen Bedarf ad absurdum.

Fazit: Falsch! Die Fürsorgepflicht des Arbeitsgebers rechtfertigt in den wenigsten Fällen eine Gehaltsvorauszahlung.

Mythos 3: Der Gehaltsvorschuss entspricht der Höhe des Monatsgehaltes

Viele gehen davon aus, dass ein Gehaltsvorschuss der Höhe des Monatsgehaltes entspricht. Dass also das Gehalt für den laufenden Monat einfach früher ausgezahlt wird. Richtig ist allerdings, dass des Vorschusses nur für die bisher geleisteten Arbeitstage ausgezahlt wird. Möchte der Arbeitgeber beispielsweise einen Vorschuss am 15. des Monats erhalten, so bekommt er mit dem Vorschuss sein Monatsgehalt anteilig ausgezahlt.

Fazit: Falsch! Der Gehaltsvorschuss wird nur für die bisher geleistete Arbeit ausgezahlt.

Fazit Gehaltsvorschuss und Alternative Kurzzeitkredit

Die Frage nach einem Gehaltsvorschuss ist immer unangenehm. Die Offenbarung gegenüber dem Arbeitgeber erfordert viel gegenseitiges Vertrauen. Außerdem ist eine Gehaltsvorauszahlung häufig nur in kleineren Firmen möglich, wo individuelle Anfragen schnell umgesetzt werden können.

Eine mögliche Alternative zur Überbrückung kurzfristiger Engpässe kann ein Kurzzeitkredit sein. Die Abwicklung erfolgt schnell und unbürokratisch. Im Vergleich zu einem Dispositionskredit, sind Kurzzeitkredite häufig auch günstiger.

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Ein Gedanke zu „Die 3 größten Mythen über den Gehaltsvorschuss

  • Januar 25, 2017 um 1:43 pm
    Permalink

    Mal ein ganz anderes Thema… Interessant! 😉 Aber ich persönlich würde mich fragen, ob ich nicht etwas ganz gravierend in meiner Finanzplanung falsch gemacht hätte, wenn ich auf einen Gehaltsvorschuss angewiesen wäre. Und was mich richtig nerven würde, wäre der Gefallen, den dir der Arbeitgeber getan hat. Das wird einem doch ständig aufs Brot geschmiert! 🙂

    Antwort

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